13. August 1961


Erinnerung - Annette Kunow 2009


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Am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. Diese Erinnerung erzählt nicht von Politik, sondern davon, wie ein achtjähriges Mädchen diesen Tag erlebte.


Ich war acht Jahre alt.

Wir wachten zum ersten Mal in unserer neuen Wohnung in Stuttgart-Zuffenhausen auf.

Es war Sonntag.

Das Radio wurde angestellt.

Wir trauten unseren Ohren nicht:

Sie hatten eine Mauer gebaut!

Wir waren Mitte Februar 1961 aus Ost-Berlin geflohen. „Getürmt“, wie man damals sagte.

Danach folgten Lager und Übergangswohnheime: Berlin, Uelzen, Rastatt und Freiburg.

An Uelzen erinnere ich mich nur schemenhaft: eine Halle mit Hunderten von Hochbetten, die Toiletten irgendwo draußen im Hof.

Später lebten wir zu viert in einem einzigen Zimmer mit vier Betten. Zeitweise wurde auch meine Großmutter dort untergebracht.

Für sechs Wochen wurde ich von meinen Eltern getrennt. Ich ging mit meiner Großmutter zu Verwandten nach Wolfenbüttel.

Ich erinnere mich vor allem an mein schreckliches Heimweh.

Dort besuchte ich zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder eine Schule – als Gastschülerin.

In Freiburg wurde das Leben langsam wieder normaler. Zwar wohnten wir noch immer in einem einzigen Zimmer, aber der Alltag kehrte zurück.

Mein Vater arbeitete als Ingenieur.

Mein Bruder und ich gingen regelmäßig zur Schule.

Dann konnten sich meine Eltern zwischen Hamburg und Stuttgart entscheiden.

Sie wählten Stuttgart.

Mein Vater bekam eine feste Anstellung.

Wir fanden eine schöne Dreizimmerwohnung.

Meine Großmutter sollte in unsere Nähe ziehen.

Und dann hörten wir – nach unserer ersten Nacht in diesem neuen Zuhause –, dass der Weg zu meinen Großeltern und zu meiner Tante in Stralsund für immer versperrt war.


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Ganz andere Zeiten 2012 - I070