1985 - Schwedt
Erinnerung - Annette Kunow 1985
1985 arbeitete ich für ein halbes Jahr als Baustellenleiterin im PCK* in Schwedt, DDR.
Die Einreise erfolgte vom Flughafen Berlin-Tegel über die Bornholmer Straße in den Osten - meist am späten Sonntagabend.
Jedes Mal führte mich dieser Weg zurück in die Straßen meiner frühen Kindheit.
Zum einen brauchte ich diese Erfahrung für meinen Beruf, zum anderen wollte ich mir über meine Zukunft klar werden.
Es war eine spannende, aber auch schwere Zeit.
Viele Stunden allein.
Viel Zeit zum Nachdenken.
Und Karussellfahren im Kopf.
Tagebuch, 1985
Tiefe Trauer, wenn ich wieder nach Ost-Berlin zurückkehre.
Das ist doch meine alte Heimat.
Trauer heißt doch, verlieren zu lernen.
Ja, ich lerne, das alles zu verlieren.
Ja, ich verliere.
Immer wieder.
Die Landschaft, die so unberührt scheint und doch so zerstört ist.
Die dunklen Straßen Berlins erinnern mich daran, wie meine Mutter mir einmal ganz fest die Hand drückte, als uns im Dunkeln ein „großer schwarzer Mann“ entgegenkam.
Wer hatte mehr Angst – sie oder ich?
Es gab Gerüchte über Sittlichkeitsverbrecher.
Ich ging noch nicht zur Schule.
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann 2004 - H263
Weiterführende Erinnerungen
*Petro-Chemisches Kombinat


