Über Annette Kunow
Ich male, um zu überleben
Vor einiger Zeit hätte ich diesen Satz wahrscheinlich noch nicht ausgesprochen.
Heute weiß ich, dass er stimmt.
Die Malerei war nie mein Hobby.
Sie war der Ort, an dem ich mein Leben verstand, verarbeitete und immer wieder zu mir selbst zurückfand.
Vielleicht male ich deshalb heute, um zu verstehen.
Seit meinem zwölften Lebensjahr schreibe ich Tagebuch.
Fast genauso lange male ich.
Damals wusste ich noch nicht, dass beides zusammengehört.
Heute glaube ich, dass ich mit Worten und Farben dieselbe Frage stelle:
Wie entsteht etwas, das vorher noch nicht sichtbar war?
Lange dachte ich, ich hätte zwei Leben.
Das eine führte mich in den Maschinenbau, später an die Hochschule, wo ich viele Jahre als Professorin lehrte.
Das andere begann jeden Tag von Neuem im Atelier.
Heute weiß ich, dass es nie zwei Leben waren.
Es war immer derselbe Weg.
Malerei als Erkenntnis
Ich male nicht, um eine Idee zu illustrieren.
Oft weiß ich selbst nicht, wohin ein Bild führt.
Nur selten beginne ich mit einer fertigen Idee oder einer Skizze. Viele Arbeiten wachsen aus einer Farbfläche heraus und entwickeln sich Schritt für Schritt zu einem Bild.
Ich arbeite bei der Acrylmalerei nur mit Farben, die ich aus reinen Pigmenten mische. Die Bilder überarbeite ich, verwerfe, lasse sie ruhen und greife sie manchmal Monate oder sogar Jahre später wieder auf.
Manche hängen lange im Atelier.
Nicht, weil ich nicht weiterweiß.
Sondern weil sie noch nicht fertig sind. Weil sie noch reifen müssen.
Ich glaube inzwischen:
Die Bilder arbeiten weiter – auch wenn ich gerade nicht male.
Schreiben und Malen
Das Schreiben begleitet mich seit meiner frühen Jugend.
Ich schreibe nicht, um mein Leben festzuhalten.
Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke. Auch, um das Erlebte zu verarbeiten.
Oft entdecke ich dabei Zusammenhänge, die sich erst Jahre später in einem Bild zeigen.
Deshalb gehören Tagebuch und Malerei für mich untrennbar zusammen.
Beides sind unterschiedliche Sprachen derselben Suche.
Mein Weg
Mein beruflicher Weg führte mich zunächst in eine andere Richtung.
Ich studierte Bauingenieurwesen, promovierte und wurde Professorin im Maschinenbau.
Parallel dazu entstand über Jahrzehnte ein umfangreiches künstlerisches Werk.
Lange empfand ich beide Welten als getrennt. Heute weiß ich, dass sie sich gegenseitig bereichert haben.
Prägende Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern wie Elvira Bach, Franz Hitzler, Nancy Spero und Leon Golub erweiterten meinen Blick. Doch den entscheidenden Weg musste ich selbst finden.
Künstler wie David Hockney, Henri Matisse oder Elvira Bach haben mein Denken nachhaltig beeinflusst.
Besonders Michelangelo gehört zu den Künstlern, die mich bis heute begleiten.
Heute umfasst mein Werk mehrere tausend Arbeiten – von großformatigen Acrylbildern über Mixed Media bis zu den Poetischen Miniaturen und Künstlerbüchern.
Was mich interessiert
Mich interessiert nicht das perfekte Bild.
Mich interessiert der Moment, in dem etwas sichtbar wird, das vorher noch keinen Namen hatte.
Vielleicht entstehen deshalb viele meiner Arbeiten in Serien.
Vielleicht fotografiere ich deshalb Zwischenzustände.
Vielleicht sammle ich seit Jahrzehnten Bildtitel.
Und vielleicht glaube ich heute:
Maler empfangen Bilder.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie meine Bilder entstehen und warum ich heute glaube, dass Maler Bilder empfangen, lade ich Sie zu meinem Essay „Wie ein Kunstwerk entsteht. Warum Kunstmarketing erst danach beginnt.“ ein.
Für Fragen zu einzelnen Arbeiten freue ich mich über deine Nachricht.


