Es gibt nicht nur die eine Intelligenz
Essay - Annette Kunow 2026
Alles in einem Kopf 2024 - H633a+b (noch unter Beobachtung)
Jahrzehntelang wurde Intelligenz fast ausschließlich am IQ gemessen.
Das hat mich immer irritiert.
Nicht, weil ich etwas gegen logisches Denken hätte. Im Gegenteil.
Ich habe Bauingenieurwesen studiert, promoviert und war Professorin für Strukturdynamik.
Aber gleichzeitig malte ich.
Ich schrieb Tagebuch.
Ich entwickelte Farben.
Ich beobachtete Menschen.
Irgendwann wurde mir klar:
Es gibt nicht die eine Intelligenz.
Als Professorin begegnete ich immer wieder Menschen, die hervorragend rechnen konnten. Andere verfügten über ein unglaubliches räumliches Vorstellungsvermögen. Wieder andere konnten Menschen begeistern oder Konflikte lösen.
Und trotzdem fehlte manchmal etwas. Manche waren brillant in ihrem Fach und scheiterten an den einfachsten Dingen des Alltags. Andere verfügten über ein enormes Fachwissen, taten sich aber schwer im Umgang mit Menschen.
Spätestens da wurde mir klar, dass Intelligenz viele Gesichter hat.
Im Atelier erlebe ich seit Jahrzehnten etwas ganz anderes: Dort zeigt sich eine Form von Intelligenz, die mit Zahlen kaum zu messen ist. Die Fähigkeit, wahrzunehmen, zu verbinden und etwas sichtbar zu machen, was vorher noch nicht existierte.
Deshalb war ich so froh, als ich las: Es gibt sieben verschiedene bestätigte Intelligenz-Kategorien.
1 Logisch-mathematische Intelligenz
Zur logisch-mathematischen Intelligenz gehört die Fähigkeit, Probleme logisch zu analysieren, mathematische Operationen durchzuführen und wissenschaftliche Fragen zu untersuchen.
Von der logisch-mathematischen Intelligenz nutzen vor allem Naturwissenschaftler.
Naturwissenschaftler und Mathematiker besitzen ein hohes Potenzial der logisch-mathematischen Intelligenz:
- Stephen Hawking (Britischer Physiker und Astrophysiker)
- Isaac Newton (Englischer Naturforscher und Verwaltungsbeamter)
- Madame Curie (Französische Physikerin und Chemikerin polnischer Herkunft)
Ich schreie es heraus 1994 - H096
2 Verbal-linguistische Intelligenz
Zur verbal-linguistischen Intelligenz gehören die Sensibilität für die gesprochene und geschriebene Sprache, die Fähigkeit, Sprachen zu erlernen, und die Fähigkeit, Sprache zu bestimmten Zwecken einzusetzen.
Redner, Schriftsteller und Dichter, aber auch Rechtsanwälte zählen zum Kreis der Personen mit hoher verbal-linguistischer Intelligenz.
Schriftsteller, Schauspieler und Künstler besitzen ein hohes Potenzial an verbal-linguistischer Intelligenz:
- Emily Dickinson ( US-amerikanische Dichterin)
- Johann Wolfgang Goethe (Deutscher Dichter und Gelehrter)
- Jorge Luis Borges (Argentinischer Schriftsteller).
3 Räumlich-mechanische Intelligenz
Zur räumlichen Intelligenz gehört der theoretische und praktische Sinn einerseits für die Dimensionen großer Räume, wie sie zum Beispiel Seeleute und Piloten erfassen müssen, andererseits aber auch für das Erfassen enger begrenzter Räume, wie sie von Bildhauern, Chirurgen, Schachspielern, Ingenieuren, Graphikern oder Architekten erfasst werden müssen.
Bildhauern, Chirurgen, Schachspielern, Ingenieuren, Graphikern oder Architekten besitzen ein hohes Potenzial an räumlich-mechanischer Intelligenz:
- Michelangelo (Italienischer Maler, Bildhauer, Architekt und Dichter)
- Leonardo Da Vinci (Italienischer Maler, Bildhauer, Erfinder, Visionär und Gelehrter)
- Georgia O’Keeffe (US-amerikanische Malerin)
- Buckminster Fuller (US-amerikanischer Architekt).
4 Musikalische Intelligenz
Musikalische Intelligenz bedeutet die Begabung zum Musizieren, zum Komponieren und Sinn für die musikalischen Prinzipien.
Musiker und Komponisten besitzen ein hohes Potenzial an musikalischer Intelligenz:
- Wolfgang Amadeus Mozart (Deutscher Musiker und Komponist)
- George Gershwin ( US-amerikanischer Komponist, Pianist und Dirigent)
- Ella Fitzgerald (US-amerikanische Jazz-Sängerin).
Der Kopfstand 1991 - F032
5 Körperlich-kinästhetische Intelligenz
Die körperlich-kinästhetische Intelligenz enthält das Potenzial, den Körper und einzelne Körperteile (wie Hand oder Mund) zur Problemlösung oder zur Gestaltung von Produkten einzusetzen.
Tänzer, Schauspieler, Sportler, Handwerker, Chirurgen und Angehörige vieler anderer technischer Berufe besitzen ein hohes Potenzial an körperlich-kinästhetischer Intelligenz:
- Morihei Ueshiba (Begründer der japanischen Kampfkunst Aikidō)
- Muhammad Ali (US-amerikanischer Boxer)
- Frederick Matthias Alexander (Australischer Schauspiellehrer, Begründer der Alexander- Technik).
Die Versammlung 1993 - K132
6 Interpersonal-soziale Intelligenz
Als interpersonal-soziale Intelligenz wird die Fähigkeit bezeichnet, auch unausgesprochene Motive, Gefühle und Absichten anderer Menschen nachzuempfinden und zu verstehen (vergleichbar mit Empathie), und dadurch deren Stimmungen und Emotionen zu beeinflussen.
Politischer oder religiöser Führer, Berater, Heiler, Erzieher, Lehrer und Eltern haben oder sollten ein hohes Potenzial an interpersonal-sozialer Intelligenz besitzen:
- Nelson Mandela (Südafrikanischer Aktivist und Politiker)
- Mahatma Gandhi ( Indischer Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer und Pazifist)
- Elisabeth I. (Königin von England)
7 Intrapersonale Intelligenz (Selbstkenntnis)
Die intrapersonale Intelligenz ist die Fähigkeit, die eigenen Gefühle, Stimmungen, Schwächen, Antriebe und Motive zu verstehen und zu beeinflussen.
Diese Personen haben eine Persönlichkeit, die ihnen hilft, in verschiedenen Situationen die eigenen Verhaltensweisen zu antizipieren. Diese interne, auf Selbsterkenntnis beruhende Intelligenz macht es ihnen möglich, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Schriftsteller, Schauspieler und Künstler besitzen ein hohes Potenzial an intrapersonaler Intelligenz:
- Thich Nhat Han (Vietnamesischer buddhistischer Mönch, Schriftsteller und Lyriker) und
- Mutter Teresa (Indische Ordensschwester und Missionarin albanischer Herkunft).
/nach Michael J. Gelb, „Das Leonardo-Prinzip“, 2001/
Multiple Intelligenzen
Die Emotionale Intelligenz ist ein von John D. Mayer (University of New Hampshire) und Peter Salovey (Yale University) im Jahr 1990 eingeführter Terminus. Der Begriff beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Das Konzept der emotionalen Intelligenz beruht auf der Theorie der multiplen Intelligenzen von Howard Gardner, deren Kerngedanke bereits von Edward Lee Thorndike und David Wechsler als „soziale Intelligenz“ bezeichnet wurde. Diesen verdeutlichte Thorndike schon 1920 mit einem Beispiel, wonach die besten Vorgesetzten scheitern, wenn sie keine oder zu wenig soziale Intelligenz haben.
Emotionale Intelligenz
Zu dessen Popularisierung hat insbesondere der US-amerikanische Journalist Daniel Goleman mit seinem Buch „EQ. Emotionale Intelligenz“ (engl. Originaltitel: Emotional Intelligence: Why It Can Matter More Than IQ) (1995) beigetragen.“ /Wikepedia/
Diese Kategorisierung weist auf die Schlüsselrolle hin, dass die Kompetenz im Umgang mit Gefühlen beim Erreichen beruflicher Ziele und für das persönliche Lebensglück spielt und nicht nur der Verstand.
Und: Wir haben immer unterschiedliche Anteile all dieser Intelligenzen.
Heute denke ich, dass jeder Mensch ein ganz eigenes Profil verschiedener Intelligenzen besitzt.
Vielleicht erklärt das auch meinen eigenen Lebensweg.
Ich konnte Ingenieurin und Professorin sein.
Gleichzeitig malte ich.
Ich schrieb Tagebuch.
Ich entwickelte Farben.
Und erst viele Jahre später verstand ich:
Das waren nie verschiedene Begabungen.
Es waren verschiedene Ausdrucksformen derselben Neugier.
Vielleicht ist genau das Kreativität: verschiedene Formen von Intelligenz miteinander zu verbinden.








