David Hockney – Was ich von einem der bedeutendsten Maler unserer Zeit gelernt habe


Essay - Annette Kunow 2026


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David Hockney © Peter Boonstra


Als ich 2009 die Ausstellung „Nur Natur“ in der Kunsthalle Würth besuchte, interessierte mich weniger die Frage, ob David Hockney digitale Medien nutzt. Mich beschäftigte vielmehr, was seine Arbeiten auch nach Jahrzehnten noch so lebendig macht.

Meine Begeisterung für David Hockney begann bereits drei Jahrzehnte früher.

Meine erste Begegnung mit seinen Bildern hatte ich 1980 in London. 

Ich war Referentin auf einer Tagung in Southampton und nutzte die Gelegenheit, anschließend einige Tage in London zu verbringen.

Ich hatte zuvor einen Artikel über David Hockney gelesen und war sofort von seinen Pool-Bildern fasziniert.


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Ausstellungskatalog David Hockney "Nur Natur"


Seitdem habe ich seine künstlerische Entwicklung aufmerksam verfolgt.

Die Ausstellung „Nur Natur“ zeigt einen wichtigen Abschnitt seiner künstlerischen Entwicklung.

Die Kunsthalle Würth

Die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall ist ein Geschenk des Unternehmers und Mäzens Reinhold Würth an die Öffentlichkeit.

Der freie Eintritt unterstreicht seinen Wunsch, Kunst für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Die Ausstellung "Nur Natur"

Die Ausstellung „Nur Natur“ zeigt Arbeiten aus einer Schaffensphase, in der David Hockney die Grenzen zwischen Malerei und digitalen Medien neu auslotete.

Für Technikbegeisterte wie mich, die mit Photoshop oder anderen digitalen Werkzeugen vertraut sind, bieten Hockneys digitale Arbeiten eine interessante Perspektive.

Er arbeitet nicht nur vor und in der Natur, sondern entwickelt viele seiner Werke anschließend digital im Atelier weiter. Hier schafft er eine Brücke zwischen der Tradition der Landschaftsmalerei und der modernen Technologie.

Ein Beispiel ist ein großformatiges Baumbild, das ursprünglich aus über 40 Einzelleinwänden besteht und als Digitalprint aus etwa 40 Einzelprints an der Wand präsentiert wird.


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David Hockney ipad © Mark Seelen


Was mich als Malerin besonders beeindruckt hat

Trotz aller technischen Perfektion vermisse ich bei den Digitalprints jene materielle Präsenz, die ein Original auszeichnet.

In diesen Arbeiten fehlen die „zufälligen Anhäufungen von Farbe auf der Leinwand“ oder die „Verletzungen des empfindlichen Papiers“, die einem Originalwerk immer die dritte Dimension geben.


Die Ölbilder

In der Ausstellung werden auch neue Ölgemälde gezeigt, die für mich die Höhepunkte der Ausstellung darstellen. Eines davon ist "Astray" (2008). Ein anderes gehört zur Sammlung Würth und trägt den Titel "The Road to Thwing, Late Spring" (2006). Beide Werke sind in ihrer klassischen Herangehensweise beeindruckend und gelten als Meisterwerke.

 

Was wir Künstler von Hockney lernen können

Ich verfolge David Hockney seit Jahrzehnten und bin immer wieder beeindruckt, wie er sich immer wieder neu erfindet. Von den leuchtenden Pools in Kalifornien bis zu den sanften Hügeln von Yorkshire – sein Fokus hat sich verschoben, aber sein Blick für Details und seine Experimentierfreude sind gleich geblieben.
Besonders berührt haben mich die Bilder, die Hockney später mit seinem Handy direkt aus dem Bett heraus schuf. Sie zeigen, dass Kreativität nicht von den äußeren Umständen abhängt, sondern von der Bereitschaft, immer weiter zu sehen und weiterzuarbeiten.

Wie Henri Matisse zeigt auch David Hockney, dass der Körper Grenzen haben kann, die Kreativität jedoch nicht.


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Mein Atelier – ein Ort des Experimentierens


Die Ausstellung „Nur Natur“ ist weit mehr als eine Sammlung von Kunstwerken. Sie dokumentiert den Weg eines Künstlers, der sich über Jahrzehnte immer wieder neu erfunden hat.

Seine digitalen Arbeiten öffnen den Blick auf die Rolle neuer Technologien in der Kunst – eine Frage, die durch die Künstliche Intelligenz heute aktueller ist denn je.

Vor allem aber zeigen sie, dass künstlerische Entwicklung nie abgeschlossen ist. Neugier, Offenheit und die Bereitschaft zum Experiment gehören zu den wichtigsten Werkzeugen eines Künstlers.

Egal, ob Du David Hockney schon seit Jahrzehnten kennst oder seine Arbeiten gerade erst entdeckst – sein Lebenswerk zeigt, dass künstlerische Neugier keine Frage des Alters ist.


Neben David Hockney gibt es einen weiteren Künstler, zu dem ich immer wieder zurückkehre: Michelangelo.


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David Hockney © Taschen