Warum ich seit meinem 12. Lebensjahr Tagebuch schreibe


Essay - Annette Kunow 2023


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Gedanken im Kopf 1994 - H095

Ich schreibe seit meinem 12. Lebensjahr Tagebuch. Es ist ein Teil von mir geworden – so selbstverständlich wie das Malen.

Anfangs waren es vielleicht zu belächelnde Gedanken eines jungen Mädchens, aber nach und nach entwickelte sich das Schreiben zu einer Zuflucht, einer Hilfe, ja vielleicht zu einer Therapie.

Sicher hätte ich einige Dinge in meinem Leben nicht so gut überstanden, wenn ich nicht diese Möglichkeiten gehabt hätte.

Mir wurden oft nach einigen Seiten Dinge klarer und lösbarer als davor.

Heute weiß ich, dass ich durch das Schreiben immer wieder kläre, was im Moment wirklich wichtig für mich ist.

Heute würde ich es Priorisierung nennen.


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Ich schreie es heraus 1994 - H096


Meine Freundin fragte mich einmal dazu: "Aber wie sprichst Du mit Dir?"

Wann habe ich meine Sprache zu mir gefunden?

Meinem Ausdruck zu mir selbst.

Erst viele Jahre später begriff ich, warum das Schreiben für mich so wichtig geworden war.

Ich schrieb nie, um schöne Texte zu verfassen.

Ich schrieb, um zu verstehen.

Oft wusste ich erst nach fünf oder zehn Seiten, was mich eigentlich beschäftigte.

Schreiben war für mich nie Dokumentation.

Es war Erkenntnis.

Nicht selten saß ich nach seitenlanger Vertiefung in meine Gedanken da und staunte über die Erkenntnisse meiner Gedankenzusammenhänge:

- "36 Seiten Ehe"

- "Ich bin nicht zur Nebenfrau geeignet."

- "I want to break free."

Heute stehen 3 Meter Stehordner im Schrank, vollgeschrieben mit kleiner Bleistiftschrift auf kariertem Papier.

Später wurde das Schreiben auch zu meinem Planungstool, wenn mich alles überkam und ich mich wieder völlig übernommen hatte.
Dann setze ich mich mitten in der Nacht in mein Bett mit leiser Musik und ordnete schreibend meine Projekte. 

Dann schrieb ich sie auf.

Alle.

Erst dann konnte ich sie bewerten.

Danach schlief ich wieder ein. Allerdings könnte dieser Prozess einige Stunden dauern. 

Besser als jedes Gedankenkarussell.


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Die Träume liegen am Boden 2004 - H268


Auch Träume schreibe ich auf.

Sie sind oft merkwürdige Konstrukte aus verschiedenen Welten und Bedeutungen.

Manchmal schenken sie mir einen Bildtitel.

Manchmal nur eine Idee.

Erst viele Jahre später begegnete ich Autorinnen wie Julia Cameron, die das Schreiben ebenfalls als kreativen Prozess beschreiben. Ich erkannte vieles wieder – doch meine eigene Erfahrung war älter als diese Lektüren.

Aus diesen ganzen Inhalten habe ich angefangen ein Kalendarium über die verrücktesten Begebenheiten in meinem Leben zu erstellen.

Mit dem Vorwort: 

Auch - oder genau deshalb: Weil P. mir sagte, "Das interessiert doch kein Schwein.", schreibe ich diese Geschichten auf.

Alleine die Überschriften sind schon 5 Seiten lang und umfassen nicht nur die 26 Buchstaben des Alphabets.

Maler empfangen Bilder.

Vielleicht ist Schreiben für mich etwas Ähnliches.

Ich schreibe nicht auf, was ich bereits weiß.

Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke.

Und manchmal entdecke ich dabei Bilder, lange bevor ich sie male.


K230-07-Die-Hoffnung-ist-wie-ein-wildes-Tier-72dpi-1500 Annette Kunow Tagebuch

Die Hoffnung ist wie ein wildes Tier 2007 - K230


Wenn Sie erfahren möchten, wie sich diese Gedanken in meinen Bildern widerspiegeln, lade ich Sie ein, mein Portfolio zu entdecken.

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