Ich habe ein Haus fast ohne Türen
Essay - Annette Kunow 2007, überarbeitet 2026
Carnevale I 2004 - K217
Besucher wundern sich manchmal darüber.
Tatsächlich gibt es nur acht Türen – wenn man die Kellertüren mitzählt.
Vielleicht passt das zu mir.
Ich mag offene Räume. Räume, in denen Bilder, Bücher, Musik und Erinnerungen ineinander übergehen.
Diesen Text habe ich 2007 geschrieben.
Ein Bekannter forderte mich damals auf, mein Wohnzimmer zu beschreiben. Im Gegenzug beschrieb er seines.
Aus der Beschreibung eines Wohnzimmers wurde schließlich ein Rundgang durch das ganze Erdgeschoss.
Ich habe ein Haus fast ohne Türen. Insgesamt sind es nur 8, da allerdings die sechs Kellertüren mitgerechnet.
Deshalb kommt mein Besucher bei mir schon bei der Haustür "ins Wohnzimmer". Rechts führt die Treppe mit terracottafarbenen Steinfliesen ins Büro und den Keller. Geradeaus ist die Gästetoilette und etwas hinter der Wand verborgen - die Garderobe.
Im kleinen Flur dorthin hängt eine Serie kleiner Mischtechniken.
Auch die Gästetoilette blieb von der Kunst nicht verschont.
Links neben der Haustür ist das Fenster mit zwei Benjamini und anderen Pflanzen zugestellt, um neugierige Blicke der wenigen Nachbarn und Spaziergänger zu verhindern.
Aber wir wollen ja ins Wohnzimmer!
Von der Haustür aus wird der Besucher schon das erste Mal mit Kunst konfrontiert.
Im Moment hängt ein Diptychon "Carnevale I" dort, daneben auf einer weißen Holz- Stele die Figur "Die besten Geister für das Haus: Vater und Kind".
Davor auf dem besten Platz die Decken und Spielsachen von Pauline. Dort hat sie die besten Aussichten auf die eher langweilige Straße.
Carnevale II 2004 - K218
Rechts nach der Treppe wieder ein Bild "Carnevale II", daneben ein Spanischer Brotschrank, den ich mal in Berlin gekauft habe, mit Geschirr und Gläsern. An der Tür hängt eine bemalte Einkaufstasche.
In Höhe des Spanischen Brotschranks hört die gegenüberliegende Wand auf und führt in den Essbereich mit einem Biedermeiertisch und alten Stühlen, die aber unbedingt restauriert werden müssten.
Links davon liegt die offene Küche.
Also gehen wir weiter auf den hellen, fast weißen Französischen Kalkstein (eine Wonne für meine Hilfe mit einem Hund!!!!).
Rote sitzende Figur 1995 - K161
Ich vergaß das Bild "Rote sitzende Figur" am Kaminschacht zum Esstisch hin, daneben die Voliere, mit den inzwischen nur noch 5 Exoten, die mich morgens wach zwitschern, aber auch oft nur beisammensitzen und ruhen oder gemeinsam baden.
Vor dem Esstisch öffnet die Terrassentür, die über die ganze Breite aufgeschoben werden kann, den Blick in den Garten.
Tagebuchblatt 26+26a 1991 - I040
An der Gangseite des Kaminschachts hängt eine Art Schaukasten mit einem aufgeschlagenen Buch mit gemalten Tagebuchblättern. Davor steht eine afrikanische Figur vom Amsterdamer Flohmarkt.
Vielleicht hört man neben dem Vogelzwitschern noch die Klaviermusik von Abdul Ibrahim, die uns durch den Raum begleitet.
Maskerade 2004 - H257
Gegenüber des Essbereichs ist ein kleines Podest mit zwei Stufen, das zur Treppe zum Obergeschoß führt. Dort steht eine Metallarbeit "Verbundener", neben dem Treppeneingang hängt eine kleine Mischtechnik "Maskerade". Auf der untersten Stufe steht eine kleine Bronze "Bramamamma", rechts Blumen.
Zwei Stufen führen in das eigentliche Wohnzimmer, das von einem Triptychon "Auch Vögel leben im Morgenblau" dominiert wird.
Auch Vögel leben im Morgenblau 1993 - K131
Es hängt über dem weißen Sofa. Rechts davon stehen ein weißer Sessel und ein weißer Hocker.
Auf dem sehr flachen Glastisch liegen meist nicht nur Dinge, die da hingehören, sondern alles, was ich lesen will oder gerade lese, Erinnerungen, Kerzen in Glaskerzenständer, eine Menge Windlichter in kleinen gläsernen Haltern, Windlichter in roten Gläsern, ein Gefäß mit Sand für die Rosen-Räucherstäbchen, ein silberner Kerzenlöscher, CDs, die ich oft höre, und und und ...
Manchmal, auch wie im Moment, missbrauche ich das Wohnzimmer auch als zweites Atelier, aber nur für "trockene" Arbeiten, dann stehen wie jetzt ein paar Beine für neue Skulpturen herum.
Gegenüber der Sitzecke steht ein Kaminofen, daneben zum Fenster der Korb mit Holz, und natürlich Blumen auf dem Fensterbrett.
Das Fenster zeigt in den Garten und auf den Teich, den ich mir dieses Jahr angelegt habe. Davor ein kleiner Fernseher auf einem Glashocker, daneben die Musikanlage und Blumen...
Gegenüber vom Fenster steht ein gelbes Biedermeiersofa, das ich einmal aus dem 2. Kellergeschoß eines Antiquitätenhändlers in Frankfurt geborgen habe, darüber ein Pastell "Große Betroffenheit".
Puppen 1991 - B055
Links daneben eine Biedermeierkommode, die ich mal in Düsseldorf erstanden habe, mit CDs und DVDs und was man noch so braucht.
Oben drauf eine alte silberne Teekanne von Münchner Flohmarkt und zwei Öllampen.
Und weil es die Beziehungsecke ist, habe ich auch dort die beiden Porzellanfiguren aus Stralsund platziert.
Rechts vom Sofa stehen zur Treppe hin, auf dem Sims einige kleine Bronzen und auf der Grundplatte des "Verbundenen" die Telefone. Hier und neben dem Fernseher stehen Stapel von Mischtechniken oder Aquarellen an die Wand gelehnt.
Nun ist der Rundgang beendet. Wir gehen wieder die zwei Stufen hoch zum Essbereich.
Wenn ich diesen Rundgang heute, fast zwanzig Jahre später, noch einmal lese, fällt mir auf:
Vieles hat sich verändert.
Bilder sind hinzugekommen.
Andere sind verkauft oder weitergezogen.
Pauline ist nicht mehr da.
Aber eines ist geblieben.
Ich lebe immer noch mitten in meiner Kunst.














