Galerie Wild, Frankfurt


Eine Ausstellung mit unerwartetem Verlauf


Ausstellung in der BMW-Zentrale, Frankfurt/M. (1998).

Mit einer persönlichen Nachbemerkung von Annette Kunow (2026).


K163-96-Hommage-a-Zephania-Tschuma-72dpi-2500 Annette Kunow

Hommage á Zephania Tschuma 1996 - K163 (Diptychon)


Als ich noch aktiv Galerien anschrieb, erhielt ich von der Galerie Wild in Frankfurt eine Zusage für eine Ausstellung.

Also luden mein damaliger Mann und ich die großformatigen Bilder ins Auto - eine ziemliche Plackerei. Das Auto war bis unters Dach voll, und wir fuhren die rund 250 Kilometer nach Frankfurt.

Zum Glück hatten wir einen kleinen Transportwagen dabei, denn das Parkhaus lag einige Straßen entfernt.

In der Galerie angekommen, sah sich die Galeristin meine Arbeiten an und sagte plötzlich:

„Nein, Ihre Bilder kann ich nicht ausstellen.“

Ich war völlig überrascht.

„Wieso? Sie haben mir doch bereits zugesagt.“

Ihre Antwort lautete:

„Ich habe bereits eine Künstlerin in meinem Programm, die genauso malt wie Sie.“

Ich schaute sie ungläubig an.

„Das möchte ich sehen.“

Sie öffnete die unterste Schublade ihres Schreibtisches und legte mir genau die Bilder vor, die ich ihr Wochen zuvor zur Bewerbung geschickt hatte.

Als ich sagte: „Das sind meine Bilder“, wurde sie schlagartig freundlicher.

Ein paar Tage später rief sie erneut an. Nun seien meine Arbeiten „zu feministisch“ und deshalb doch nicht für eine Ausstellung geeignet. Ich wunderte mich. Hatte sie diese Bilder denn nicht schon vor ihrer Zusage gesehen?

Dann änderte sich die Situation wieder. Sie habe nun doch einen Ausstellungsort gefunden und werde meine Bilder zeigen.

Einige Zeit später war ich zufällig in Frankfurt und wollte mir die Ausstellung ansehen.

Sie fand in den Räumen von BMW statt. Dort hing ein Teil der Ausstellung mit sehr realistischen Bildern von geschminkten Lippen und Mündern. In einem anderen Bereich entdeckte ich schließlich meine Arbeiten.

Vielleicht hatte die Galeristin unsere Werke tatsächlich miteinander verwechselt – ich weiß es bis heute nicht.

Während die Mitarbeiter von BMW ausgesprochen freundlich waren, machte die Galeristin ein großes Theater darum, dass ich mir die Bilder überhaupt ansehen wollte. Ich dürfe mich dort nicht frei bewegen, schließlich handle es sich um einen privaten Bereich.

Nach Ende der Ausstellung sollten wir die Bilder wieder abholen. Wir vereinbarten einen Termin und fanden sogar einen Parkplatz direkt vor dem Gebäude. Für etwa zehn großformatige Bilder, die im Keller lagerten und ohne Aufzug nach oben getragen werden mussten, gab sie uns exakt fünfzehn Minuten Zeit.

Eine Vergütung erhielt ich nie.

Ihre Begründung war, sie müsse nichts bezahlen – schließlich seien die Bilder ja ausgestellt worden.

Tatsächlich hatte sie die Arbeiten an BMW verliehen. Ob und wie sie dafür vergütet wurde, weiß ich bis heute nicht.

Es war eine jener Erfahrungen, die den Kunstbetrieb manchmal so widersprüchlich machen – und die man sich vorher kaum vorstellen kann.


K163-96-II-Hommage-a-Zephania-Tschuma-Detail-II-72dpi-1500 Annette Kunow

Hommage á Zephania Tschuma 1996 Detail - K163 (Diptychon)


Diese Erfahrung hat mich lange beschäftigt. Nicht wegen der einen Galerie, sondern weil sie etwas zeigte, das ich später immer wieder erlebt habe.

Als Professorin wurde ich über Jahrzehnte mit Respekt behandelt. Im Kunstbereich hingegen trete ich bewusst ohne meine Titel auf. Dort möchte ich als Künstlerin wahrgenommen werden – nicht als Professorin.

Gerade dadurch habe ich erlebt, wie Künstlerinnen und Künstler bisweilen behandelt werden: als Bittsteller, die dankbar sein sollen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Natürlich habe ich auch viele faire und engagierte Menschen im Kunstbetrieb kennengelernt. Doch die Haltung, Künstler von oben herab zu behandeln, ist mir immer wieder begegnet.

Ich finde das schade. Kunst entsteht nicht aus Unterordnung, sondern aus Eigenständigkeit. Ein respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein – auf beiden Seiten.


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Hommage á Zephania Tschuma Detail 1996 - K163 (Diptychon)


Die Ausstellung hatte für mich noch eine zweite Bedeutung. Zu den gezeigten Arbeiten gehörte auch mein Diptychon „Hommage à Zephania Tshuma“.

Das Bild entstand bereits 1996 – also zwei Jahre vor der Ausstellung in der BMW-Zentrale.

Ein Foto einer Skulptur von Zephania Tshuma in einem Zeitungsartikel der FAZ  faszinierte mich so sehr, dass daraus 1996 mein Diptychon „Hommage à Zephania Tshuma“ entstand. Tshuma verband in seinen Holzskulpturen Alltag, Politik und gesellschaftliche Themen wie die Aids-Aufklärung mit einer unverwechselbaren Bildsprache. Seine Arbeiten wirkten auf mich zugleich poetisch, rätselhaft und unmittelbar.


In der Ausstellung bei BMW wurde das Bild erstmals öffentlich gezeigt. Es wurde kurz darauf verkauft und befindet sich heute in einer Privatsammlung.


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Der verwunschene Prinz 1995 - K154


„Hommage à Zephania Tshuma“ war nicht das einzige Bild dieser Ausstellung. Auch „Der verwunschene Prinz“ und „Somalia“ gehörten zu den Arbeiten, die damals in den Räumen von BMW gezeigt wurden.


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Somalia 1992 | 1998 - K186