Familienerlebnisse – Ein früher Blick auf meine Bildwelt
Erfahrung eines Betrachters, 1991
Mit einer persönlichen Nachbemerkung von Annette Kunow (2026).
I wonna hold your hand 1991 - K109
Prof. Dr. Burghard Müller schrieb diesen Text 1991 anlässlich meiner frühen Figurenbilder. Seine Gedanken haben mich bis heute begleitet. Er beschreibt nicht die Bilder selbst, sondern die Erfahrung eines Betrachters im Dialog mit den Bildern.
Beim Ansehen dieser Bilder stelle ich mir spontan die Frage: " Sind es Bilder für Kinder?". Denn ich bin sicher, Kinder verstehen diese Bilder sofort. Sie werden sofort ihre eigene Geschichte entwickeln. - Oder: "Sind es Bilder, gemalt aus der Erinnerung an die Kindheit, unvergessene Szenen, dargestellt, so wie die Erinnerung sie hergibt?"
Gefragt, wie ich mich entscheiden würde: ich würde sagen, es sind Erinnerungen an die Kindheit.
Lebendige Farben, lebendige Bilder, vogelähnliche Körper, eine kleine Familie im munteren Miteinander.
Man ist sicherlich versucht, die Gedanken der Schöpferin dieser Bilder zu ergründen, zu erahnen, was in ihr vorgegangen ist, beim Malen dieser Bilder.
Sind es vielleicht die Beziehungen zwischen Eltern und Kind, Mann und Frau? Wer ist der Mann, wer das Kind? Die Bilder sagen Vieles, aber nicht Alles. Es bleibt genug Raum für die eigene Phantasie.
Vielleicht gibt es noch einen anderen Schlüssel zum Erschließen der Bilder: man kriecht hinein in eine dieser Figuren und ist sofort mittendrin im Beziehungsgeflecht, welches da so feinsinnig gesponnen ist ...
Welches Gefühl stellt sich ein in einem Körper, der auf seine Weise Mensch und Vogel zugleich ist?
Genauso, wie man hineinschlüpft, kann man wieder heraus und hinein in die nächste Figur gehen. Andere Gefühle, andere Beziehungen, aber schnell ist man erneut verstrickt auf seine Weise ...
Rückblick 2026
Als ich den Text nach vielen Jahren wieder las, fiel mir auf, wie sehr Burghard Müller bereits damals etwas erkannt hatte, das bis heute meine Arbeit prägt: Meine Figuren erzählen keine fertigen Geschichten. Sie laden den Betrachter ein, seine eigenen Beziehungen, Erinnerungen und Gefühle in ihnen wiederzufinden.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich diese frühen Bilder bis heute begleiten.
Überlegenheit-Unterlegenheit 1991 K102


