Hiob - Vom Umgang mit dem Leid


Poetische Betrachtung - Annette Kunow 1986


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Ausgangspunkt dieses Textes war eine Fernsehsendung über einen querschnittsgelähmten Mann und einen AIDS-Kranken. Ihre Frage nach dem Sinn des Lebens wurde für mich zum Ausgangspunkt einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit Leid, Angst und Hoffnung.

Der Text entstand 1986 als Auszug aus meinem Tagebuch und wurde für die Veröffentlichung behutsam gegliedert.


Das Leid allein bringt den Menschen nicht dazu, über den Sinn des Lebens nachzudenken. Beim Nachdenken wird die Einsamkeit sichtbar und die Schwierigkeit, sich mitzuteilen.

Dann beginnt plötzlich das Beobachten, das Sehen all dieser Trostlosigkeit. Das schweigende Paar in der S-Bahn. Plötzlich diese furchtbare Betroffenheit. Trauer drängt sich regelrecht auf und der Umgang mit dem Gesehenen ist schwer.

Verschüttete Erinnerungen erreichen die Oberfläche. Viele Träume, längst vergessene Dinge, nehmen Oberhand und werden Wirklichkeit. Die alten, immerwährenden Ängste, die nicht zum heutigen Leben dazugehören.


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Kopf 1992 - H062


Es ist eine Auseinandersetzung, auf die wir nicht vorbereitet sind. Aus Angst suchen wir den Weg in den Tod, obwohl uns unser Versagen dabei noch deutlicher wird.

Eine traurige Hilflosigkeit.

Wir sollen Herr der Welt sein? Herrscher?

Nie mit diesen Ängsten.

Eine hilflose Wut.

Schade doch, dass ich nicht stehen bleiben kann und weiter muss. Und dass das missverstanden wird. Dass es Bremser gibt. Dass es zu unbequem ist mitzukommen.


Wer hat mich in diese Ängste getrieben?

Wie soll es weitergehen?

Die bittere Wahrheit, dass ich ihn nicht mehr liebe. Und nun? Ich fühle mich so gefährlich nahe dem Abgrund.


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Nachdenken 1991 - H033


Die alten Alpträume sind wieder da.

Davor Warten, danach Traurigkeit.

Ich sollte ihn freigeben, ihn wegschicken. Auch um seinetwillen: Liebe an den Umständen gescheitert. Wir könnten eine Todesanzeige in die Zeitung setzen.

Ich bin leer. Ich habe uns aufgegeben. Geliebtes Menschentier. Wo ist er? Ich weiß, dass er mich liebt, aber ich friere. Ich rede mit niemandem. Ich gehe drauf. Ich kann nicht malen, male alles zu. Immer mehr und mehr, bis das ganze Papier voll ist und nicht mehr atmen kann, so wie ich.

Ich habe nicht mehr das Gefühl der Hilflosigkeit, ich bin ruhiger. Ich gehe jetzt alleine Steine erschüttern. Bonjour Tristesse, aber das würde sich geben.


Ich schlucke den Anflug von Tränen herunter. Pfefferminztee mit einer Lexotonil, dann würde ich das Karussell nicht besteigen. Die schönen Erinnerungen bleiben und machen mich oft lächeln.

Ich habe keine Kraft mehr, ich kämpfe gegen mich.

Ist das so?

Oder gegen Goliath?

Ich hätte dazu gerne einen Schiedsrichter.

Wer hat Recht?


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America today 1992 - H047